Thomas Köhler (Schiedsrichter) Interview vom 21. Oktober 2016 Fussball-Harz im Sixpack mit Thomas Köhler. Der 52-Jährige pfeift für den FC Germania Bleckenstedt. Thomas ist mit Unterbrechung seit vielen Jahren als Schiedsrichter aktiv. Das Foto zeigt Thomas mit seinen Söhnen. Es ist vom Mai 2015 als sie erstmalig zusammen spielten. 1. Wie bist du dazu gekommen, Schiedsrichter zu werden? Bereits im zarten Alter von 16 Jahren habe ich meine erste Schiedsrichterprüfung abgelegt. Damals gab es zwei Gründe dafür: Zum einen habe ich mich das ein oder andere Mal ungerecht behandelt gefühlt und zum anderen trat mein damaliger Verein an mich heran, da Schiedsrichter gesucht wurden. Dann ging auch alles sehr schnell – mit 17 das erste Herrenspiel und mit 18 in der Kreisliga des Kreises Salzgitter, da aber noch ohne Assistenten bzw. Linienrichter, wie es damals noch hieß. Auf Grund einer schweren Knöchelverletzung und auch aus beruflichen Gründen – ich war Zeitsoldat bei der Bundesmarine – waren die Einsätze nicht mehr so häufig und meine „Karriere“ wurde etwas ausgebremst. Da sie nicht wieder so richtig Fahrt aufnahm, hängte ich mit 24 die Pfeife erstmal an den Nagel. Nach ein paar Jahren als aktiver Fußballer war dann damit auch erstmal Schluss. Ich war zwar ein paar Jahre passiv, aber so richtig raus war ich nie. Mit 40 habe ich dann wieder angefangen zu spielen und habe parallel dazu Jugendmannschaften betreut und trainiert, in denen meine Zwillingssöhne spielten. Als beide altersbedingt in die C-Junioren kamen, aber unser Verein keine Mannschaft mehr stellen konnte, hatte ich keine Mannschaft mehr und somit Zeit. Die Söhne gingen als Gastspieler zum Nachbarverein und ich nochmal zum Schiedsrichterlehrgang. Das war vor über 6 Jahren! Ich habe es seit dem nie bereut – im Gegenteil. Ich habe mich schon manchmal geärgert, nicht früher wieder eingestiegen zu sein.   2. Wie gehst Du mit eigenen Fehlern um? Über eigene Fehler ärgere ich mich sehr! Aber ich lerne daraus und versuche, mich stetig zu verbessern. Auch wenn ich als Fußball-Schiedsrichter nicht mehr aufsteigen kann, möchte ich immer mein Bestes geben. Im Futsal bin ich auch als Schiedsrichter aktiv, hier sogar in höheren Ligen. Ich sauge alles auf, was mir dabei hilft, Fehler zu vermeiden. Aber wir sind eben auch nur Menschen! Ich stelle mich auch nach Spielen den Trainern und Spielern wenn es gewünscht ist. Aber erst nach dem ersten Beruhigungs-Bier (lach). Direkt nach dem Spiel kann so eine Begegnung nicht konstruktiv sein. Ich höre mir dann die Meinung des Gegenübers an und erkläre meine Sichtweise. 3. Spielst du selbst auch Fußball im Verein? Ja, ich spiele auch noch. Wenn auch nur sporadisch, aber dann in der Ü-40. Wenn man die mehrjährige Spielpause nicht mitrechnet, spiele ich seit ca. 35 Jahren Fußball.   4. Hast du persönlich auch einen Lieblingsverein? Mein Lieblingsverein ist mein Heimatverein FC Germania Bleckenstedt (grins!) – aber wenn du einen Bundesligaverein meinst, dann gehören meine Sympathien dem VfL Wolfsburg. Wir hatten vier Jahre lang Dauerkarten und das ein oder andere Mal wurden schon mal Juniorenspiele meiner Söhne verlegt, da das sonst kollidierte. Wir waren auch 2009 bei der Meisterschaft dabei. Seit ca. 3 Jahren fahren nur noch mein Sohn Mika und ich hin, das aber eher selten. Das liegt sowohl an der Schiedsrichterei als auch an der Tätigkeit als Jugendwart. Ich bin dann doch lieber auf dem heimischen Sportplatz und unterstütze den Nachwuchs.   5. Im Harzer Raum gibt es einige durchgeknallte Typen. Wer war auf dem Feld bisher der lustigste? Es gibt viele Situationen auf dem Spielfeld, an die ich mich gerne erinnere. Und es gibt Situationen, von denen wünschte ich mir, sie wären nie geschehen. Aber da jetzt etwas besonders hervorheben? Na ja, die ein oder andere Unterhaltung mit Spieler …… Ich versuche viel mit den Spielern zu kommunizieren und habe auch das Gefühl, dass das gut ankommt. Womit wir fast schon bei Frage 6 sind.   6. Hast Du Verständnis für die Emotionen der Spieler? Ja! Ich habe absolut Verständnis für Emotionen. Ich spiele schließlich selbst lange genug um zu wissen, dass Emotionen dazu gehören. Mein Sohn Mika ist noch aktiver Schiedsrichter und mein Sohn Leon war es bis letztem Jahr. Sie haben mich schon oft als Assistenten begleitet und auch schon mal nach Spielen gefragt, warum ich mir so viel gefallen lasse. Ich lasse Emotionen schon mal ungehört durchgehen oder reagiere angemessen, z.B. mit einem flapsigen Spruch oder einer kurzen Ansage! Je nach dem, was gerade passt. Aber auch bei mir kann schon mal der gewisse Punkt erreicht werden, bei dem dann Schluss ist. Da bin ich bei Foulspielen rigoroser! Da greife ich durch, vor allem wenn ich merke, dass man bewusst einen Gegenspieler mit unfairen Mitteln aus dem Spiel nehmen will. Ich selbst habe mal als Verteidiger angefangen und bin später Stürmer geworden. Ich kenne also beide Seiten. Vor allem kenne ich es, auf Grund meiner Schnelligkeit (heute nicht mehr so vorhanden ;-)) unfair gestoppt zu werden. Aber man muss auch unterscheiden zwischen Emotionen, die es auch draußen bei den Zuschauern geben kann, und Beleidigungen bis hin zu Anfeindungen oder gar Drohungen. Da habe ich null Verständnis.  Aber diese Fälle sind Gott sei Dank die Seltenheit – zumindest bei mir. Ich bin sehr gerne Schiedsrichter und ich glaube, das merkt man mir bei meinen Spielen auch an. Wollen die Mannschaften Fußball spielen, bin ich der letzte, der sie daran hindert!