Axel Pioch (Schiedsrichter und Lehrwart) Fussball-Harz spricht mit dem 46 Jahre alten Schiedsrichter und Lehrwart Axel Pioch. 1. Axel,seit wann pfeifst Du und vor allem warum? Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr SR, d.h. seit 1980. Im Kreis Wolfsburg wurde damals sehr viel Werbung für das SR-Wesen unternommen, wie heute spielte natürlich auch die Aufbesserung des Taschengeldes eine Rolle. 2. Wie sieht deine Linie beim Pfeifen aus? Schiedsrichter sollten ein Spiel "lesen" können, unvoreingenommen ins Spiel gehen. Es ist sicherlich ratsam, sich über den Tabellenstand, über ein Lokalderby, Abstiegs- oder Titelkampf Gedanken zum machen, aber oft kommt es dann sowieso anders. Ich warte grundsätzlich die ersten Minuten eines Spiels ab, ob die Teams meine Art zu pfeifen, meine Linie an diesem Tag akzeptieren. Grundsätzlich sollte ein SR stets in der Lage sein, auf Änderungen im Spielcharakter reagieren zu können. Auch sollte man erkennen können, mit wem man auf dem Platz kommunizieren kann und mit wem nicht. Mir sind die Spiele am liebsten, bei denen im Anschluss nicht über den SR gesprochen oder geschrieben wird (und wenn dann positiv). 3. Hast Du Verständnis für die Emotionen der Spieler? Auf jeden Fall! Emotionen gehören zum Spiel. Ich verstehe aber nicht, warum die Spieler und Trainer nicht auch Emotionen bei uns SR akzeptieren? Wenn mich ein Spieler lautstark anmeckert und ich ihn dafür er- oder sogar verwarnen muss, kann das mitunter auch laut werden. Oft höre ich dann (als SR oder Beobachter) Kommentare wie »Wie redet der denn mit dem Spieler?« 4. Wie gehst Du mit eigenen Fehlern um? Kritisch! Ich habe mehrere Jahre höherklassig gepfiffen, davon drei in der damaligen Oberliga (jetzt Regionalliga), zudem bin ich seit über 10 Jahren SR-Lehrwart. Mich kennen die meisten Beteiligten auf den Fußballplätzen, daher erwarten Sie kaum/keine Fehler von mir. Das klappt in den meisten Fällen, aber eben auch nicht immer. Viele Beteiligte schimpfen über Fehler der SR, dabei kann ein solcher völlig belanglos sein, Beispiel Einwurf für Team Rot oder Team Blau! Sie regen sich bei weitem nicht so sehr über einen Fehlpass auf, der letztendlich zum Torerfolg des Gegners führt.  5. Was war dein bisher schönstes Spiel als Schiedsrichter? Klingt banal, aber eigentlich jedes, weil man immer wieder was dazulernt. Wenn ich die aber benennen soll, dann waren es sicher die »Abschiedsspiele« in der Oberliga beim SV Meppen, FC St. Pauli und Meiendorfer SV. 6. Wie lange willst Du noch über den Platz rennen? Ich bin nun 46 Jahre alt und seit 32 Jahren unterwegs. Gerade jetzt macht es mir wieder mehr Spaß, denn durch den Zusammenschluss der Kreise Goslar, Wolfenbüttel und Salzgitter zum NFV Kreis Nordharz lerne ich tatsächlich Spielorte kennen, wo ich noch nie war. Außerdem bin ich ja im Bezirk noch als Beobachter tätig, was ebenfalls viel Freizeit in Anspruch nimmt. Ich trete aber schon kürzer, aufhören möchte ich aber noch nicht.