Pressefreiheit als eine Zensur der Unschuldsvermutung? 12. Dezember 2018 Fussball-Harz im Gespräch mit dem Fußball-Lehrer Goran Barjaktarvic zu den aktuellen Manipulationsvorwürfe gegen Andreas Petersen, sportlicher Leiter VfB Germania Halberstadt. Fussball-Harz: Andreas Petersen ist schwer belastet worden. Man wirft ihn vor, dass er das Spiel gegen Babelsberg manipulieren wollte. Du hast eine ähnliche Situation erlebt, wo eine unbekannte Person in der Regionalliga Saison 2009/2010 einem deiner Spieler Geld angeboten hat, um das Spiel gegen SV Wilhelmshaven zu verlieren. Was denkst du über dem Vorfall? Goran Barjaktarevic: Zuerst, ähnlich ist nur die Art, wie die Medien darüber berichten. Leider, die Medien brauchen einfach Sensationen, um ein paar Zeitungsexemplare mehr zu verkaufen, oder in der neuerer Zeit, ein paar „Klicks“ und „Likes“ mehr online zu sammeln. Bei den TV-Sendern sieht es nicht besser aus. Nichts ist erklärt und bewiesen worden. Aber jetzt wenn du den Namen von Andy in Google eingibst, ist das Erste, was herausspringt, die „Manipulation“. Sowas finde ich sehr unverschämt. Als ob der Mann seit Jahren nichts Gutes für den Fußball in diesem Land gemacht hätte. Noch schlimmer finde ich, dass Nils, sein Sohn, aus dem gleichen Grund beim Training in Freiburg von den Journalisten praktisch belästigt worden ist.Es ging soweit, dass er nicht normal trainieren konnte. Erkläre mir bitte, was hat Nils persönlich mit Halberstadt und Babelsberg zu tun? FH: Ja, aber Herr Petersen hat ein paar Spieler von Babelsberg, die früher bei ihm gespielt haben, kurz vor dem Spiel zwischen Halberstadt und Babelsberg kontaktiert. Und Nils ist sein Sohn und Nationalspieler. G. B: Ok. Jetzt erstmal zum Thema „Andreas hat seine Ex - Spieler kontaktiert“: Ja, und...? Die sind jetzt Gegner auf dem Platz, aber die Kontakte auf dem menschlichen Ebene bleiben für die Ewigkeit. Meistens läuft das so. Alte Freunde, die mal zusammen gespielt oder überhaupt in einem Verein zusammen gearbeitet haben versuchen so vor einem Spiel den anderen mental zu verunsichern und zu provozieren. Während des Spiels auf dem Platz, sie schenken sich nichts und manchmal geht es auch bis auf die Grenze der Brutalität zu Sache. Es war immer viel schöner einen Kumpel zu schlagen, als einen den du nicht kennst. Nach dem Spiel ist die Welt wieder in Ordnung, man telefoniert, trifft sich in der Kneipe und lach darüber. Aber nur bis die nächste „Schlacht“ auf dem Fußballplatz vor der Türen steht. Dann geht das gleiche „Prozedere“ wieder los. Und zum Thema Vater – Sohn oder genauer gesagt, „Verantwortlichkeit durch Blutlinie“. Soll ich jetzt die Geschichte so verstehen, dass Andy seinen Sohn Nils (dem er übrigens beigebracht hat, wie man gegen den Ball tritt) angerufen hat und gesagt hat:“Hallo Nils mein Junge, ich plane ein Spiel zu manipulieren. Du bist ein Nationalspieler und kennst dich mit dem Scheiß besser aus. Kannst mir bitte ein paar Tipps geben, wie soll ich das am besten tun?“ Wenn ich an so was denke, muss ich mich entweder kaputt lachen, oder kotzen. FH: Warum bist du dir so sicher, dass das alles so zu erklären ist? G. B: Warum ...? Weil ich selber bei meinen Ex-Spielern das gleiche tausend mal versuchte. Sie selbst haben auch tausend mal versucht, von mir zu erfahren, wer bei mir in der Startformation spielt und wie wir das Spiel taktisch spielen wollen. Man versucht immer, in solchen Gesprächen den anderen zu lockern, dass er „auf die falsche Pferde setzt“, oder mit der falschen Einstellung ins Spiel geht. Das ist eben Fußball. Bin ich also aktuell aus diesem Grund auch ein „Spielmanipulator“ zusammen mit meinen Ex-Spielern? FH: Die „mediale Lawine“ hat die Aussage von dem Trainer des SV Babelsberg 03, bei der Pressekonferenz direkt nach dem Spiel ausgelöst. Warum sollte er das aussagen, wenn das alles nicht beweisbar wäre? G. B.: Ich kenne den Mann persönlich nicht und kann mir nicht erlauben, über seine persönlichen Motiven zu sprechen. Ich kann aber vermuten, dass er bezogen auf diese Situation, sehr schlecht beraten worden ist, egal von wem. Das macht man als Trainerkollege einfach nicht. Obwohl wir in einer sehr egoistischen und profilneurotischen Gesellschaft leben: Wir Trainer dürfen nicht über den kollegialen Kodex so leicht trampeln. Als Trainer bist du leider sowieso das erste „Verschleißteil“, das ausgetauscht wird, auch in einer Situation, wo andere Teile des Systems nicht funktionieren. Der andere Grund wäre, (obwohl ich innerlich so einen Grund nie als „wahren Grund“ akzeptieren könnte), dass ihm wohl sehr bewusst war, dass man sich mit solchen Aussagen viel schneller „bekannt“ machen kann, als durch langfristigen und fleißigen Arbeit auf dem Platz. Was wieder eine gesellschaftliche Anomalie ist, der wir alle in allen Berufen ausgesetzt sind. Die Anomalie ist leider in der neuesten Zeit eine Art der „Normalität“ und Betrachtungsweise für viele geworden. FH: Wie ist das damals alles bei dir gelaufen? G. B.: Ich habe den Vorfall beim DFB und bei der Polizei gemeldet und das Problem war für mich erledigt, dachte ich! Dann haben wir aber viele Anmeldungen von den verschieden TV-Sender bekommen. Das war die Zeit von sogenannten Wettmanipulationen. Solche Art der Werbung wollte ich überhaupt nicht haben, obwohl ich an der Seite der „Guten“ stand. Mich haben übrigens damals auch manche „Insider“ beraten, dass ich auch unseren Gegner SV Wilhelmshaven beschuldigen soll. Trotzdem, nach dem Spiel bei der Pressekonferenz, habe ich bewusst kein Wort darüber gesagt. Wir haben in Deutschland sehr starke und glaubwürdige Institutionen, die solche Erscheinungen in der Gesellschaft sehr professionell untersuchen und unterbinden können. So sollte das auch bleiben.